Das Gebiet um Lettland ist seit 11.000 Jahren besiedelt. Archäologische Entdeckungen belegen, dass Menschen am Ufer des Flusses Daugava siedelten, der zu einer wichtigen Handelsroute wurde. Die Vikinger nutzten ihn auf ihrem Weg nach Griechenland, und spätere Händler nutzten ebenso die strategische Lage des heutigen Lettlands.
Zu jener Zeit gab es vier Stämme: die Kuren, die Lettgallen, die Selen und die Semgallen. Die Lettgallen waren für ihre sozio-politische Fortschritt bekannt, und die Kuren als baltische Vikinger aufgrund der zahlreichen Invasionen ihres Küstengebietes.
Die Stämme der Selen und der Semgallen waren hingegen friedliche Bauernvölker.
Deutsche Kreuzfahrer
Um 1190 kamen deutsche Händler und Missionare. Sie hatten die strategische Lage Livlands erkannt und wollten die Gegend erobern. Das Ziel der Missionare war die Bekehrung der heidnischen Balten zum Christentum.
Deren Loyalität zur polytheistischen Naturreligion machte es den deutschen Kreuzrittern schwer. Schließlich genehmigte der Papst den im Morgenland gescheiterten Kreuzfahrern die Eroberung des Baltikums.
Riga wurde 1201 gegründet und die 700 Jahre dauernde deutsche Vormacht in Livland begann.
Riga wurde wichtiges Handelszentrum und schließlich 1282 Mitglied des Hanse-Bundes. Später folgten Cesis (Wenden), Limbazi (Lemsat), Koknese (Kokenhusen) und Valmiera (Wolmar).
Polnische und schwedische Einflüsse
1561 übernahme Polen Teile Kurlands und Livlands, und das deutsche Livland fiel auseinander.
Mit der polnischen Herrschaft kam der Katholizismus nach Lettland und in die Region Lattgallen, wo er auch heute noch die vorherrschende Religion ist.
Aber die Schweden eroberten 1629 Teile des Landes und auch Riga. Zu jener Zeit wurde Schweden von Lettland mit Weizen versorgt. Deshalb wurde Riga damals zur größten und fortschrittlichsten Stadt von ganz Schweden.
Das Zarenreich und nationales Bewusstsein
Zu Beginn des 18. Jh. übernahm Russland die Macht in Lettland, das damit zu einer der wichtigsten russischen Provinzen wurde.
In Europa gab es im 19. Jh. verstärkt nationale Tendenzen, und in Lettland entwickelte sich ein eigenes Nationalbewusstsein.
Die Unabhängigkeit Lettlands konnte vor dem 1. Weltkrieg nicht erreicht werden. Erst am 18. November 1918 wurde Lettland ein eigenständiger Staat, der auch von Sowjetrussland anerkannt wurde.
Ein kuzes Freiheitsgefühl
Ein Geheimabkommen zwischen der Sowjetunion und dem Deutschen Reich beendete die Freiheit. 1940 wurde Lettland von der Sowjetunion mit Gewalt annektiert. Zigtausende Letten wurden verhaftet und nach Sibirien deportiert.
Von 1941-44 war Lettland von Deutschland besetzt. In dieser Zeit wurden 90% der lettischen Juden getötet. 1944 eroberte die Rote Armee das Land, und so kam es wieder zu Massendeportationen. Zweidrittel der lettischen Intelligenz floh nach Westeuropa, und Lettland blieb 40 Jahre von der Sowjetunion besetzt.
Die lettischen Bauernhöfe und Fabriken wurden kollektiviert. Sowjetische Macht und Propaganda machten es der lettischen Sprache und den Volksbräuchen sehr schwer.
Lettland heute
In den späten 1980er-Jahren gab es die ersten offenen Proteste gegen die Sowjetherrschaft. Zwei Millionen Esten, Letten und Litauer bildeten einen 600 km lange Menschenkette.
Die Kette der Hand in Hand stehenden Menschen ging von Tallinn über Riga bis Vilnius.
Die Lockerungen des Sowjetregimes, bekannt als “Glasnost” führten dazu, dass die
lettischen nationalistischen Organisationen die Gelegenheit zur Befreiung wahrnahmen.
Und am 21. August 1991 wurde Lettland schließlich als eigenständiger Staat wiederhergestellt.
Seither hat Lettland ein erstaunliches Wirtschaftswachstum und kulturelle Entwicklung erlebt. Im Jahr 2004 wurde es Mitglied der NATO und der Europäischen Union.
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