Seit 3.000 Jahren v.Chr. siedelten die Vorfahren der Esten an der Ostseeküste. In den Jahren 800–1200 n.Chr. nahmen estnische Vikinger an Eroberungszügen in Ostseegebiet teil.
Das estnische Mittelalter
Die Esten waren ein akephales Bauernvolk (ohne Häuptling oder König) als die ersten deutschen Händler sich im 12. Jh. an der Ostseeküste niederließen. Kurz danach fand die erste Fremdbesatzung statt, indem die Dänen Nordestland übernahmen. Aber die ständigen estnischen Rebellionen führten dazu, dass die Dänen diesen Landesteil dem Deutschen Orden verkauften.
Langsam entwickelte sich der deutschsprachige Adel in Estland. Auf dem Lande regierten die Edelleute und in den Städten die reichen deutschen Händler mit ihren Gilden und Räten.
Das Land war in zwei Sprachgruppen geteilt: die deutschsprachigen Adligen, Kirchenmänner und Bürger. Auf der anderen Seite die Bauern, die nur estnisch sprachen. Wenn ein estnischer Bauernsohn Pastor werden wollte, dann musste er deutsch sprechen.
Um 1558 gab es Veränderungen der mittelalterlichen Eigentumsverhältnisse. Das Land wurde zwischen drei Staaten aufgeteilt. Die Dänen kauften die Insel Saaremaa (Ösel) und hielten sie bis 1645. Schweden übernahm den Norden und Polen den Rest Estlands. Ab 1629 kontrollierte Schweden ganz Estland außer Saaremaa.
Für die Bewohner Estlands war dies eine glückliche Zeit, weil die Schweden die Rechte der Gutsbesitzer beschränkten. Außerdem führten sie ein Schulsystem für Kinder aus armen Familien ein.
Das Zarenreich
1710 wurde Estland Teil des Russischen Reichs. Die Adeligen unterstützten Zar Peter den Großen, weil er ihnen bessere Bedingungen bot. Denn der Zar betrachtete die Baltendeutschen als Verbündete bei seinen Bemühungen, sein Reich zu reformieren.
Die Schlacht der Russen gegen Schweden forderte große Verluste. 80% der Bevölkerung von Tallinn verhungerte oder starb an der Pest.
Estland war nun in der Hand Russlands, aber unter örtlicher deutscher Verwaltung.
Nationale Erneuerung
Zum Ende des 18. Jh. halfen deutsche Pastoren den Esten, eine Grammatik der estnischen Sprache zu entwickeln. Damit entwickelte sich ein neues Nationalbewusstsein. Estnische Wissenschaftler begannen, bei den Bauern Volksliteratur zu sammeln. Zu dieser Zeit wurde auch das überkommene Leibeigentum abgeschafft.
Um 1880 änderte das Russische Reich die Verwaltungssprache von deutsch und estnisch zu russisch.
Am Ende des 2. Weltkriegs erklärten die Esten ihre Unabhängigkeit, aber um darin erfolgreich zu sein, mussten sie die Deustchen und Russen zurückdrängen. Mit der Unterstützung Finnlands und Großbritanniens gelang dies auch.
Das Land des deutschen Adels wurde unter den estnischen Bauern neu aufgeteilt.
Die Besatzung
Estland florierte und hatte ein Bruttosozialprodukt, das über dem Durchschnitt Nordeuropas lag. Aber es drohte Gefahr von Russland und Deutschland, und das deutsch-russische Geheimabkommen beendete die Freiheit. 1940 wurde Estland in die Sowjetunion einverleibt. Um Rebellionen von Bürgertum und Intellektuellen zu verhindern, wurden im Juni 1941 von den stalinistischen Kräften die ersten Massendeportationen nach Sibirien durchgeführt.
Estland war dann von 1941-44 von deutschen Truppen besetzt. Die meisten estnischen Juden flohen nach Russland. Die zurückgebliebenen wurden getötet.
1944 wurde Estland erneut von der Sowjetunion besetzt und es gab wieder brutale Massendeportationen. Ungefähr 70.000 Esten flohen nach Westen. Die Bauern wurden zwangskollektiviert. Dies führte zu extremer Armut in den ländlichen Gebieten Estlands.
Estland heute
In den späten 1980er-Jahren führten die Wut gegen sowjetische Umweltverschmutzungen und andere Ärgernisse zum ersten offenen Protest gegen die Sowjetherrschaft. 2 Millionen Esten, Letten und Litauer bildeten, Hand in Hand, eine 600 km lange Menschenkette, die von Tallinn über Riga bis nach Vilnius reichte.
Am 20. August 1991 wurde die Republik Estland wiedergeboren.
Heute is Estland eine moderne High-Tech-Nation. Seit 2004 ist es Mitglied der NATO und der Europäischen Union.
Wenn Sie mehr über estnische Geschichte lesen wollen: www.estonica.org





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